HILDESHEIM. Großes Aufatmen im Roemer- und Pelizaeus-Museum (RPM): Eine vorzeitige Schließung der aktuellen Sonderausstellung „Schätze für den Kaiser – Meisterwerke chinesischer Kunst (1368-1911)“ zum 24. Juli 2016 ist nach Klarstellung der Niedersächsischen Ministerin für Wissenschaft und Kultur (MWK) und der Staatsministerin für Kultur und Medien (BKM) verhindert worden.


In der vergangenen Woche gab die Museumsleitung die Schließung der eigentlich bis zum 8. Januar 2017 geplanten Schau bekannt, nachdem die beiden Leihgeber der Ausstellung angekündigt hatten, ihre Stücke am 25. Juli 2016 zurück zu ziehen. Die Sammler hatten irrtümlich befürchtet, dass ihre Leihgaben in den Anwendungsbereich des Gesetzes zur Neuregelung des Kulturgutschutzrechts (KGSG) fallen könnten. Die Staatsministerin für Kultur und Medien und das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur bestätigten nun, dass dies nicht der Fall ist. Da die Leihgaben der Sammler rund 90 Prozent der Hildesheimer Ausstellung ausmachen, wäre eine Schließung unvermeidbar gewesen.

Das KGSG soll spätestens im August 2016 in Kraft treten. Es dient insbesondere dem Schutz nationalen Kulturguts vor Abwanderung sowie dem Schutz ausländischen Kulturgutes vor Raubgrabungen und illegaler Einfuhr nach Deutschland. Es legt dafür u. a. präziser als bisher Kriterien fest, auf deren Basis Kulturgüter als national wertvoll eingestuft und in ein entsprechendes Verzeichnis aufgenommen werden. Entscheidend ist dabei u.a. die identitätsstiftende Bedeutung des jeweiligen Werkes für die Kultur Deutschlands. Kulturgüter, die in diesem Verzeichnis aufgeführt sind, dürfen – wie bereits seit 1955 unter der Vorgängerregelung – die Bundesrepublik Deutschland nicht ohne Ausfuhrgenehmigung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien dauerhaft verlassen. Neu ist, dass der Eigentümer eines Werkes nach Inkrafttreten des Gesetzes die Feststellung beantragen kann, dass die Voraussetzungen für die Eintragung in das Verzeichnis des jeweiligen Bundeslandes in seinem Fall nicht vorliegen. Diese Neuregelung kommt Sammlern und Leihgebern zugute, weil sie frühzeitig Rechtssicherheit für ihr Kulturgut erlangen können. (Für weitere Informationen siehe auch Bundestags-Drucksache 18/7456, http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/074/1807456.pdf, S. 68)

Unterstützt durch Ute Bertram, Hildesheimer Bundestagsabgeordnete und Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages, wandte sich RPM-Direktorin Prof. Dr. Regine Schulz an das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur und die Staatsministerin für Kultur und Medien. Sie stieß auf Verständnis und große Kooperationsbereitschaft. „Innerhalb kürzester Zeit nahmen sich Niedersachsens Kulturministerin Gabriele Heinen-Kljajić, die das vorzeitige Ende der Ausstellung sehr bedauert hätte, und Dr. Kathrin Hahne (BKM) unserer Angelegenheit an. Sie bestätigten dem RPM schriftlich, dass die Leihgaben aufgrund der chinesischen Herkunft in keiner Weise von der Neuregelung des KGSG betroffen sind“, berichtet Schulz. „Wir sind sehr erleichtert und dankbar, dass wir die Sammler mit Hilfe der Ministerien überzeugen konnten und diese besondere Ausstellung mit teilweise weltweit einmaligen Exponaten unserem Publikum nun doch noch bis zum 8. Januar 2017 zeigen können. Darüber hinaus freue ich mich sehr für unsere beiden Leihgeber, die ihre Stücke erstmals in der Öffentlichkeit präsentieren und die vorzeitige Schließung selbst sehr bedauert hätten“, fügt die Museumsdirektorin hinzu.

Die Sonderausstellung „Schätze für den Kaiser – Meisterwerke chinesischer Kunst (1368-1911) gewährt einzigartige Einblicke in die vielfältigen Aspekte chinesischer Kunst aus den kaiserlichen Manufakturen. Kostbare Metall- und Lackarbeiten, Objekte religiöser Kunst und prachtvolles Porzellan veranschaulichen die Welt der großen Kaiser der Ming- und Qing-Dynastien.

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