Über Geld spricht man gern

(tH) Mit 1.000 Euro fördert die Hildesheimer Bildungsstiftung ein Projekt der Jugendhilfe Bockenem, das Kindergarteneltern helfen soll, auch mit wenig Geld gut zu leben.

Ein Thema für die Bildungsstiftung? „Ja“, sagt ihr Vorsitzender Eugen Jung, „weil der richtige Umgang mit dem Geld auch über den Bildungsweg der Kinder entscheidet.“ Ilona Heitmann, die das Projekt initiiert und am 23. Oktober gestartet hat, bestätigt das. „Wer erst in der Schuldenfalle steckt, kommt schwer wieder heraus. Für die Bildung der Kinder ist dann oft kein Geld mehr über.“

Natürlich wäre es besser, wenn jeder mehr Geld zur Verfügung hätte. Das aber sei ein anderes Problem – das der Verteilungsgerechtigkeit. Bei ihrem Projekt, das sie zusammen mit Olaf Mauermann im Familienzentrum Maluki durchführt, geht es um die bestmögliche Aufteilung der vorhandenen Mittel. Beim Einkaufen, beim Kochen, bei der Freizeitgestaltung sollen kreative Lösungen gefunden und ausprobiert werden. „Es gibt Super-Sparfüchse“, weiß Ilona Heitmann, die bei E-Bay Kinderbekleidung für zwei Euro kaufen oder einen vollen Einkaufswagen für das gleiche Geld durch die Kasse schieben wie andere einen halbvollen. Damit das Sparen Spaß macht, soll es in der Gruppe beginnen, ohne Haushaltsbuch. Fotos von Einkäufen will man vergleichen, Kassenbons sammeln und auswerten, Produktalternativen finden, Schuldenfallen erkennen und vermeiden.

Da kommen dann auch die Kinder ins Spiel, die Kindergartenleiterin Ingrid Weber auf den richtigen Umgang mit dem Geld einstimmt. Elektronische Unterhaltungsgeräte sind zum Beispiel tückische Schuldenbeschleuniger. Der Preis von Spielkonsolen oder Smartphones ist oft verlockend niedrig. Der Gebrauch der Geräte und die nachfolgenden Anschaffungen erzeugen regelrechte Kostenlawinen. Auch Kinderbekleidung kann zum Problem werden, weil der ALG-2-Regelsatz nicht mitwächst. Und in Zeiten, wo man sich nicht mehr draußen in der Natur, sondern für gutes Geld auf „Indoor-Spielplätzen“ herumtreibt, muss auch über den Umgang mit Freizeit nachgedacht werden.

Hieß es bisher: „Über Geld spricht man nicht“, soll in dem Projekt „Augen auf beim Einkauf“ gern über Geld gesprochen werden. Denn was soll’s: Die Dinge sind, wie sie sind, und wer davor die Augen verschließt, stolpert schneller als er denkt. Wer dagegen die Augen aufhält und mit anderen offen über den Umgang mit Geld sprechen kann und auch seinen Kindern nichts vormachen muss, hat die Hälfte der Lösung schon gefunden.

Das Projekt findet vierzehntägig mittwochs (also wieder 6. und 20. November), von 9 bis 11 Uhr, im Familienzentrum Maluki, Martin-Luther-Str. 26, statt. Zehn bis fünfzehn Personen können, natürlich kostenlos, teilnehmen. Man kann jederzeit dazukommen und auch wieder gehen. Neben der Hildesheimer Bildungsstiftung unterstützen die Johannishofstiftung, die Sparkasse Hildesheim und die Bischöfliche Stiftung „Gemeinsam für das Leben“ das zunächst auf ein Jahr angelegte Projekt.

(Foto: tH) Olaf Mauermann, Ilona Heitmann, Ingrid Weber, Eugen Jung und Bürgermeister Ekkehard Palandt haben das Projekt auf den Weg gebracht 

 

 

- Baggereinsatz im Naturschutzgebiet „Lange Dreisch und Osterberg“

In der vergangenen Woche schaffte ein Kettenbaggereinsatz im Naturschutzgebiet „Lange Dreisch und Osterberg" neue Lebensräume für Libellen, Amphibien und andere wassergebundene Arten. Es wurden Senken angelegt, die sich bei ausrei-chend Niederschlägen mit Wasser füllen und so als Biotope für gefährdete Arten sowie als Tränken für die zur Landschaftspflege eingesetzte Schafherde dienen werden. Die Kosten hat das Land Niedersachsen zu 100% übernommen.